|
Die Ausstellung von Annemarie Wehrli und Rosmarie
Giger versteht sich als künstlerische Konfrontation: Zwei
Kunstauffassungen und zwei Ausdrucksformen zeigen hier ihre spezifische
Eigen-Art:
Die strenge Bildhauerei und die freie Malerei riskieren faszinierende
Gegenpositionen ganz im Sinne von Maurice Denis
Diktum, dass Kunst vor allem eine Schöpfung des Geistes sei.
Während Annemarie Wehrli die klare Form
pflegt, schafft Rosmarie Giger eine Malerei
des Atmosphärischen, in der Licht und Farbe ihre Kraft, Poesie und
Dynamik im Geiste von Giovannis Segatinis
Erkenntnis:
„Dass die Kunst das Fenster sei, durch das der Mensch seine höhere
Fähigkeit erkennt“ entwickelt.
Annemarie Wehrlis technisch vielfältiges
Schaffen zeigt drei thematische Hauptgruppen: Torso, Maske und die Freie
Form.
Den Torso versteht Annemarie Wehrli nicht im
klassischen Sinn als Fragment eines menschlichen Körpers, sondern er wird
zum Anlass intensiver Reduktion des Körperhaften, bis er sich weitgehend
der Form eines abstrakten Zeichens nähert.
Volumen, Charakter des eingesetzten Materials und die Bewegung im Raum
sind Zentralthema ihrer Skulpturen, in denen die Formgebung nicht
zufällig bleibt, sondern der klare Formwillen betont wird.
Die Maske, die oft mehr aussagt über den Menschen als das richtige
Gesicht, ist ein uraltes Thema, das Annemarie Wehrli
in eine technoide Form bringt, und somit eine Verschmelzung von Mythischem
und Rationalem schafft.
Die Freien Formen sind Raumkörper-Erfindungen, Architekturen der
Vorstellungskraft, die ihr autonomes Da-Sein einfordern.
Malen bedeutet für Rosmarie Giger das
bildnerische und emotionale Erforschen jener Bereiche, welche sich
zwischen Auflösung und Entstehen manifestieren.
Obwohl Rosmarie Gigers Tafelbilder
stilistisch im Bereich des Abstrakten Expressionismus und der Gestischen
Malerei einzuordnen sind, entwickelt sich in ihnen eine poetische
Zeitlosigkeit die von einem tiefen inneren Licht herzustammen scheint.
Rosmarie Giger malt variationenreiche
Bild-Findungen, die ihre visuelle Kraft aus dem hoch differenzierten
Spannungsfeld amorpher und transparenter Farbzonen schöpfen.
Moment und Dauer sind in dieser Malerei Begriffe, die sich gegenseitig
nicht ausschliessen, sondern fliessend ins Improvisatorische und
Prozesshafte übergehen.
|