Al'Leu
Bildhauer und Publizist

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Vernissageeröffnung
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Al'Leu

Annemarie Wehrli · Rosmarie Giger

Vernissagrede 1. November 2002 
rent your gallery, Zürich

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Die Ausstellung von Annemarie Wehrli und Rosmarie Giger versteht sich als künstlerische Konfrontation: Zwei Kunstauffassungen und zwei Ausdrucksformen zeigen hier ihre spezifische Eigen-Art:

Die strenge Bildhauerei und die freie Malerei riskieren faszinierende Gegenpositionen ganz im Sinne von Maurice Denis Diktum, dass Kunst vor allem eine Schöpfung des Geistes sei.

Während Annemarie Wehrli die klare Form pflegt, schafft Rosmarie Giger eine Malerei des Atmosphärischen, in der Licht und Farbe ihre Kraft, Poesie und Dynamik im Geiste von Giovannis Segatinis Erkenntnis:

„Dass die Kunst das Fenster sei, durch das der Mensch seine höhere Fähigkeit erkennt“ entwickelt.

Annemarie Wehrlis technisch vielfältiges Schaffen zeigt drei thematische Hauptgruppen: Torso, Maske und die Freie Form.

Den Torso versteht Annemarie Wehrli nicht im klassischen Sinn als Fragment eines menschlichen Körpers, sondern er wird zum Anlass intensiver Reduktion des Körperhaften, bis er sich weitgehend der Form eines abstrakten Zeichens nähert.

Volumen, Charakter des eingesetzten Materials und die Bewegung im Raum sind Zentralthema ihrer Skulpturen, in denen die Formgebung nicht zufällig bleibt, sondern der klare Formwillen betont wird.

Die Maske, die oft mehr aussagt über den Menschen als das richtige Gesicht, ist ein uraltes Thema, das Annemarie Wehrli in eine technoide Form bringt, und somit eine Verschmelzung von Mythischem und Rationalem schafft.

Die Freien Formen sind Raumkörper-Erfindungen, Architekturen der Vorstellungskraft, die ihr autonomes Da-Sein einfordern.


Malen bedeutet für Rosmarie Giger das bildnerische und emotionale Erforschen jener Bereiche, welche sich zwischen Auflösung und Entstehen manifestieren.

Obwohl Rosmarie Gigers Tafelbilder stilistisch im Bereich des Abstrakten Expressionismus und der Gestischen Malerei einzuordnen sind, entwickelt sich in ihnen eine poetische Zeitlosigkeit die von einem tiefen inneren Licht herzustammen scheint.

Rosmarie Giger malt variationenreiche Bild-Findungen, die ihre visuelle Kraft aus dem hoch differenzierten Spannungsfeld amorpher und transparenter Farbzonen schöpfen. 

Moment und Dauer sind in dieser Malerei Begriffe, die sich gegenseitig nicht ausschliessen, sondern fliessend ins Improvisatorische und Prozesshafte übergehen.

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