Al'Leu
Bildhauer und Publizist

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Kritiken
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Al'Leu

Frau Schneiderlein bittet die Böcke zum Tanz

Erschienen in der Literaturzeitschrift
Harass, Dozwil

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SCHNEIDER BÖCK

Ein Griff zum Gänsepaar / der kalte Leib aus dem Kanal
wir schlitzen Max / und Moritz auf
denn Frau und Mann / sind Sack und Bauch
wer sich zerreisst / bezahlt den Schleim
Gittklasse vier
die Fische bring't der Leim / zum Schweigen mich zum Schlaf
sobald er trocken ist / wird alles gut


WENDE

Der längste Tag liegt hinter uns / das Rad verglüht im Tal / zwei Leichen brüten in der Nacht
betuchte Kinder unter Röcken / ein halbes Jahr macht alles gut / 
die Stunden bleiben nicht mehr lang / der Berg zieht seine Geister auf
Frau Schneiderlein tanzt mit den Böcken


AMAZONE

Jahrelang suchten wir / Pilze sie gab mir / am liebsten die Sporen
jetzt atmen wir ruhig / das Haar die Hand / und nochmals Haar
komm her du tust es / ohne Schaudern unter mir / auf mir in ihr dann nur
ein Handschlag noch / auf unseren Pakt / die Brust wächst nach

 

Die drei Gedichte zeigen eindrücklich, dass die Lyrik von Ueli Schenker in ihrer Vielschichtigkeit die Leserin oder den Leser, je nach Literaturauffassung und Weltanschauung, fasziniert oder polarisiert.

Die diabolische Tränkung der Poesie ist genauso literarische Absicht des Autors wie die Tarnung der verwinkelten Tragik durch Humor.

Die von Ueli Schenker immer wieder verwendeten Brüche im Sprachrhythmus sind ein unnötiges modernistisches Relikt, das mich entfernt an die pyromanische Lust bei der berühmten Fahrt mit angezogener Bremse erinnert.

Die provokanten Gedichte von Ueli Schenker beeindrucken durch raffinierte Sprachbilder und den Mut, sich mit den Schattenseiten der Gegenwart auseinander zusetzen.

Ueli Schenkers Lyrikschaffen zeigt anschaulich, dass glaubhafte Literatur sich nicht nur von der Labilität unserer Gegenwart nährt, sondern auch die Kraft aufbringt, unbequeme Position in ihr zu beziehen...


Ueli Schenker
Frau Schneiderlein tanzt mit den Böcken
ISBN 3-85830-106-X
Reihe 'fund-orte' Nr. 17, herausgegeben von Werner Bucher
orte-Verlag, www.orteverlag.ch

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