Al'Leu
Bildhauer und Publizist

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Vernissageeröffnung
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Al'Leu

Heidi Waller

Vernissagrede 16. Mai 2008
Galerie Tenne, Zürich-Schwamedingen

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© Foto Martina Leu: Al'Leu, Heidi Waller


Eine Ausstellung in der Toskana mit Bildern von Viktor Bächers Malschülern inspirierte Heidi Waller, selbst ihre eigenen Möglichkeiten mit Pinsel und Farbe zu erproben.

In verschiedenen Kursen von Daniel Steinemann, Viktor Bächer und Doris Walser erlernte sie die Grundlagen der Perspektive, der zeichnerischen Techniken, der Enkaustik, des Aquarell- und des Acrylmalens.

Am Anfang war aber auch die Auseinandersetzung mit dem richtigen Sehen, mit der Sensibilisierung für die Vielfältigkeit der Farben, mit dem Ausloten der Proportionen, mit der Einfühlung in die Wechselwirkung von Licht und Schatten, sowie mit der Verwandlung von Wirklichkeit in die bildgerechte Darstellung.

Nach einer Phase der bildnerischen Umsetzung alltäglicher Motive entwickelte sich Heidi Wallers Schaffen immer mehr in Richtung freier Malerei, welche sich mit der Charakteristik der eigenen Stofflichkeit auseinandersetzt.

Im Amorphen und dem Zufälligen konnte Heidi Waller ihren Gestaltungswillen erproben. Ganz nach der Devise von Karl R. Popper, dem Begründer des "Kritischen Realismus":

"Herumprobieren ist Aktivität des Lebens, nicht passives Warten. Das Leben unternimmt etwas. Es riskiert etwas.
Dass dieses Riskieren auch als Irrtum erscheint, das tut gar nichts zur Sache. Das Leben riskiert, es experimentiert".

Kunst ist aus dieser Definition heraus nicht wissenschaftliche Darstellung der real existierenden Wirklichkeit, sondern sie spürt sensitiv dem Zwischensphärischen, den sogenannten weichen Wahrheiten voll Hintersinn und Vieldeutigkeiten nach.

Es ist die Aufgabe der Kunst, das nicht Offensichtliche zur Darstellung zu bringen.

Um im Bild zu bleiben, Kunst ist so etwas wie der Füllstoff zwischen den
Reibflächen der harten und nackten Tatsachen der Realität. Sie federt ab, verweist auf das Lebenswerte und macht in ihrer vielfältigen Erscheinungsform den Alltag erträglich.

André Thomkins hat einmal darauf hingewiesen, dass Kunst aus etwas etwas anderes macht: "Aus realem fiktives oder aus fiktivem reales. Kunst ist homogen, aus gleichem entwickelt, interpretierend entstanden".

So gesehen ist sie eine faszinierende Quelle unterschiedlichster Denkprozesse und haptischer Erfahrungen.

Dieser Vorstellung sind auch Heidi Wallers nachrealistische Bilder verpflichtet. Zunehmend entwickelten sich die Werke der Malerin vom reinen Abbilden weg, hin zu freien Motiven durch Erfinden und Improvisieren.

Heidi Wallers Kunst entwickelt ihre Aussage aus medienimmanenten Werten wie eigene Stofflichkeit, Subjektivität der Farbe und der Gestik des Auftragens.

Das künstlerische Interesse wendet sich aber auch der Tiefenwirkung von Farbschichtungen, dem farblichen Ineinanderfliessen, der Wechselwirkung und Variationsfähigkeit von lasierendem und pastosem Farbeinsatz, sowie der spontanen, beziehungsweise intuitiven Gestaltregulation beim Schaffensprozess zu.

Heidi Wallers Bilder fixieren nicht nur das Spontane und das Aktive des Momentes, sondern thematisieren seine prinzipielle Unfassbarkeit.

Die Intuition für das Situative und Gegenwärtige formuliert ihre Bildwelten, die metaphorisch die ständige Wechselwirkung zwischen dem Vergänglichen im Gegenwärtigen, und dem Gegenwärtigen im Vergänglichen visualisieren.

So entsteht eine aus dem modernen Leben geschaffene Kunst, in deren Untergründen Verschlüsselungen des Magischen schlummern:

Hin und wieder glaubt man in einigen Bildern auch Ansätze von Bäumen, Schmetterlingen, Flügelwesen oder moorige Landschaften zu erkennen. Sie verharren fast geisterhaft in den Bildschichten und Freiräumen. Ihre Manifestation ist eine poetische Balance zwischen Auftauchen und Entschwinden.

Die Erfahrungen mit Texturen und freien Formen haben Heidi Waller angeregt, sich auch mit dem plastischen Schaffen auseinanderzusetzen.

Die plastische Kunst fordert, neben dem Einsatz von bedeutend größerem Kräfteaufwand, eine völlig andere Sichtweise in der Darstellung der Motive. Sie ist nach einer berühmten Aussage von Auguste Rodin die "Kunst der Beulen und Löcher".

Sie ist aber noch mehr: Ein Gestalten und Formen aus extrem vielen Positionen heraus. Statische und materialspezifische Probleme fordern zusätzlich ihren Tribut.

Während Malerei und Zeichnung immer nur aus einem Standort heraus gestaltet und gesehen wird, erzeugt das plastische Schaffen bei jeder kleinen Drehung der Skulptur eine neue Sichtweise, die jene davor aufheben oder zumindest in Frage stellen kann.

Zahlreiche Positionen müssen zu einer funktionierenden Bewegung im Raum werden. Eine gute Skulptur kennt keine Seiten, kein Hinten und Vorne.

In dieser Ausstellung sind auch erste Ergebnisse von Heidi Wallers plastischem Gestalten zu sehen.

Heidi Wallers Bilder und Plastiken sind offene Kunstwerke, die neben der bildnerischen Darstellung und stofflichen Charakteristik auch viel Raum für persönliche Interpretation und Einfühlung schaffen...

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