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Martina Leu
Al'Leu

Dichterstein Gemeinschaft Zammelsberg ehrte Johannes Golznig

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Am 14. und 15. August 2005 feierte die "Dichterstein Gemeinschaft Zammelsberg" (DGZ) in Kärnten mit einem umfangreichen musikalischen und literarischen Festprogramm ihr vierzigjähriges Bestehen.


Von links nach rechts: Dieter Hölbling-Gauster,  Al' Leu, Franz Knes, Johannes Golznig u. Bürgermeister Heinz Hochsteiner © Foto: Martina Leu, Zürich

Eine Fotoausstellung im Gasthof Stromberger unter dem Titel "Fotoeindrücke der letzten 20 Jahre" bot Einblicke in die vielfältige kulturelle Tätigkeit der "Dichterstein Gemeinschaft Zammelsberg".

Eine umfangreiche Lesung im Rahmen des Festaktes bot am Vormittag des 15. August 2005 einen Einblick in das literarische Schaffen der Mitglieder der DGZ. Begleitet wurde diese Veranstaltung von der Familienmusik Harald Golob und dem Gesang des gemischten Chores "50 Plus".

Dieter Hölbling-Gauster, der seit zwanzig Jahren der DGZ vorsteht und durch seinen Idealismus entscheidendes für den Zusammenhalt der über hundert Mitglieder geleistet hat, sagt über seine arbeitsintensive Tätigkeit:

" Wir veranstalten aber auch Lesungen verschiedenster Art, wo alle Dichter und Dichterinnen unserer Gemeinschaft die Gelegenheit haben, ihr Gedankengut interessierten Menschen zu vermitteln. Für mich gibt es nichts Schöneres, als wenn diese Menschen mit zufriedenen Gesichtern und den Worten "Das hat uns gefallen" unsere Veranstaltungen mit erlesenem Wort, schönem Gesang und echter Volksmusik verlassen. Natürlich ist nicht alles Gold, was vorgetragen wird, aber das zeichnet gerade unsere Gemeinschaft aus, dass einfache Mundartdichterinnen und Mundartdichter neben professionellen Autoren und Autorinnen genauso Platz haben, und diese Vielfältigkeit ergibt bei jeder unserer Literaturveranstaltungen einen wunderschönen Blumenstrauss, aus dem jeder Besucher und jede Besucherin seinen oder ihren Teil nach Hause nimmt..."

Bei schönstem Wetter wurde am Nachmittag ein von Markus Pirker gestalteter Stein für den Dichter Rainer Maria Rilke im seit 1985 und bisher aus fünfunddreissig Gedenksteinen bestehenden Dichterhain von Reg. Dir. der Generali-Versicherung, Hans Jürgen Seebacher enthüllt.

Die umfangreiche Laudatio über den 1875 als Sohn eines Eisenbahninspektors geborenen Dichter Rainer Maria Rilke hielt Dieter Hölbling-Gauster.

Für die Gedenktafel wurde eine Passage aus Rilkes "Sonette an Orpheus XXII" ausgewählt:

"Wir sind die Treibenden.
Aber den Schritt der Zeit,
nehmt ihn als Kleinigkeit
im immer Bleibenden".

Nach Gesangseinlagen der gemischten Chöre "Mühldorf" und "50 Plus" verliehen Dieter Hölbling-Gauster und Bürgermeister Dkfm. Heinz Hochsteiner der Mundartdichterin Karoline Steinwender und dem Lyriker und Schriftsteller Johannes Golznig den "Ehrenkrug" der Dichterstein Gemeinschaft Zammelsberg.

Die liebenswürdige Karoline Steinwender ist ein fünfundachtzigjähriges Original aus dem Mölltal. In Natur und Heimat fand sie viel Inspiration für ihre Dialektgedichte.



Karoline Steinwender im Gespräch mit Johannes Golznig


Dieter Hölbling-Gauster

Auf Wunsch der DGZ hielt Al'Leu die Laudatio für Johannes Golznig aus Feldkirchen:

"Für mich war die Entdeckung des Kärntner Lyrikers Johannes Golznig eine besondere Erfahrung.

Sie hat mich zur Publikation und Illustration der beiden Lyriktitel "Am Ufer des Tages" 1998 und "Wellen der Zeit" 2002 in der Edition LEU in Zürich veranlasst.

Beide Bücher wurden im deutschsprachigen Raum in lyrisch interessierten Kreisen viel beachtet.

"Und die Poeten?
Sie putzen den Schmutz
von den Fenstern dieser Welt..."

Es ist die Kernaussage, welche das Lyrikverständnis des Dichters aus Feldkirchen weitgehend formuliert.

Dieses Textfragment von Johannes Golznig bildete sogar mit Hinweis auf den Verfasser den Leitspruch eines internationalen Lyrik-Symposiums in Asien.

Die Lyrik von Johannes Golznig ist das dichterische Ergebnis eines Menschen, der innerhalb enormer politischer und kultureller Veränderungen und Umwälzungen immer versucht hat, als Einzelperson literarische Position zu beziehen, unabhängig von der Mode oder von intellektuellen Trends.

Für den ehemaligen Hochseekapitän Johannes Golznig wurde das Meer zu einer unerschöpflichen Metapher für das menschliche Sein, für das Helle und das Dunkle in den vorwärts treibenden Verläufen und den nicht vorhersehbaren Rückschlägen des Lebens.

Die verdichtete Aussage der Lyrik war für Johannes Golznig immer eine besondere literarische Herausforderung, in der er seine Fähigkeiten zu einem sehr persönlichen Sprachbewusstsein aus- und weiterentwickeln konnte, bis hin zu der hochgradigen Autonomie und der Eigendynamik an Sprachkönnen und Sprachbewusstsein, welche wir in den Lyrikpublikationen "Am Ufer des Tages" und "Wellen der Zeit" finden.

Die Faszination des Lyrikers Johannes Golznig an der Funktionsweise der Sprache ist sichtbar anhand seines ausgewogenen Umgangs mit seinen sprachschöpferischen Experimenten und den Stabilitätsproben an ihrem Regelwerk.

In der dichterischen Umsetzung jener Inhalte, die sich aus persönlichem Erleben und Erfahren des Lyrikers entwickeln, zeigt uns der Autor ein geradezu geniales Gespür dafür, dass gewisse Strömungen des Zeitgeistes nur allzu oft Geisterschiffen gleichen, welche in der Leere des Moments treibend sich bedeutungsvoll aufblasen, um dann überraschend in den Nebeln des Belanglosen zu verschwinden.

Johannes Golznig gehört zu jenen Autoren, die so etwas wie ein endogenes Schöpfertum besitzen: Das literarische Selbstverständnis bildete sich bei ihm aus einem intellektuell unverbauten Gefühlsleben und einer überdurchschnittlichen Einfühlungsgabe, dem die Welterfahrung eines langen und reichen Lebens die Thematik und die Motive lieferten.

Trotz der umfangreichen Lektüre sind literarische Einflüsse im Werk von Johannes Golznig kaum nachweisbar.

Das heisst, Leseerfahrung und literarisches Schaffen sind hier zwei scheinbar autonome Tätigkeitsbereiche, die sich auf einer nicht ausleuchtbaren Ebene berühren, und vielleicht gerade deswegen besonders schöpferisch wirken, ohne auf Tagesaktualität und mediale Sensationseffekte angewiesen zu sein.

Beeindruckend ist auch Johannes Golznigs Umgang mit der Wechselwirkung zwischen den Textteilen seiner Gedichte, die oft in ihrer Aussage eine faszinierende Leichtigkeit des poetischen entwickeln und gerade dadurch eine starke Hermetik im ganzen Gedicht aufbauen, die deutlich macht, dass das Gesamte bedeutend mehr ist als seine Fragmente.


Preisträger Johannes Golznig 
mit Schauspieler Franz Knes


In zahlreichen Gedichten zeigt Johannes Golznig mit feinsinniger Ironie, dass das Transzendente sich sehr oft in der Banalität des Alltags verbirgt und auf seine Entdeckung wartet."

Einen Einblick in das Prosaschaffen von Johannes Golznig bot der Schauspieler Franz Knes, indem er die genauso tiefsinnige wie humorvolle Erzählung "Lindemann" aus dem 2005 erschienen Prosaband "Ankerland" las.

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Info: Johannes Golznig
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